Weisheiten

Hermann Hesse

„Alles Lebendige ist ein Werden, nicht ein Sein.“

„Man muß seinen Traum finden, dann wird der Weg leicht.
Aber es gibt keinen immerwährenden Traum, jeden löst ein neuer ab,
und keinen darf man festhalten wollen.“

„Auch das Kranksein ist ein Lebensprozeß und will sein Recht haben.“

„Weisheit ist Gehorsam gegen die Weisheit unseres Körpers
und unserer Seele (nicht unseres Willens und Intellekts).“

„Jeder gesunde Mensch verlangt etwas zu leisten.
Aber nur verwirrter Ehrgeiz trachtet danach,
in irgendeiner Sache der >>Größte<< zu sein.“

„Das Ziel der Weisheit ist es, daß man den Dingen nur
so viel Macht über sich einräumt, als man selber will,
und daß man sein Schicksal nicht mehr von außen empfängt,
sondern es nimmt als Atemzug aus dem eigenen Innern.“

„Das Glück ist ein Wie, kein Was, ein Talent, kein Objekt.“

„Über dem ängstlichen Gedanken, was uns etwa
morgen zustoßen könne, verlieren wir das Heute,
die Gegenwart und damit die Wirklichkeit.
Geben Sie dem Heute, dem Tag,
der Stunde, dem Augenblick sein Recht.“

„Das Chaos will erkannt, will gelebt sein,
ehe es sich in neue Ordnung bringen läßt.“

„Die hohe Bewertung der Minute, die Eile als wichtigste Ursache unserer
Lebensform ist ohne Zweifel der gefährlichste Feind der Freude.
Möglichst viel und möglichst schnell ist die Losung.
Daraus folgt immer mehr Vergnügen und immer weniger Freude.“

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Arthur Schopenhauer

„Um nicht sehr unglücklich zu werden, ist das sicherste Mittel,
daß man nicht verlange, sehr glücklich zu sein.“

„Große Leiden machen alle kleineren gänzlich unfühlbar,
und umgekehrt quälen uns bei Abwesenheit
großer Leiden selbst die kleinsten Unannehmlichkeiten.“

„Das Gewissen ist nur die aus der eigenen Handlungsweise enstehende
und immer intimer werdende Bekanntschaft mit dem eigenen Selbst.“

„Wann einmal gründliche Erkenntnis und eigene Überzeugung gewonnen ist,
wird es an Kraft zum Aussprechen derselben niemals fehlen.“

„Der Schmerz entsteht nicht aus dem Nicht-haben;
sondern aus dem Habenwollen und doch nicht haben.
Sich aus dieser Einsicht soviel wie möglich
des Wollens entschlagen ist der Gipfel des Stoizismus,
als Ethik der reinen Vernunft, oder ist die höchste Lebensklugheit.“

„Man bleibt im Gewinn, wenn man Genüsse opfert, um Schmerzen zu entgehn.“

„Was aber die Leute gemeiniglich das Schicksal nennen,
sind meistens nur ihre eigenen dummen Streiche.“

„Es ist unwahrscheinlich, daß das Unwahrscheinliche nie geschehe.“

„Sich selber genügen, sich selber alles in allem sein-
ist gewiß für unser Glück die förderlichste Eigenschaft.“

„Das Erkennen ist um so reiner und folglich um so objektiver
und richtiger, je mehr es sich vom Willen losgemacht hat.“

„Für sein Tun und Lassen darf man keinen andern zum Muster nehmen.-
Man muß seinem eigenen Charakter gemäß handeln.
Also auch im Praktischen ist Originalität unerläßlich:
Sonst paßt was man tut, nicht zu dem, was man ist.“

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Therapeutische „fernöstliche“ Weisheiten

„Mit all unserer Philosophie, mit unseren großartigen, hoch
hinausstrebenden Ideen entgehen wir doch nicht unserem Leben,
wie es ist. Auch Sternengucker gehen auf der festen Erde.“
   D.T. Suzuki

„Es gibt Gut, und es gibt Böse – und das ist gut.
Es gibt Vollkommenheit und es gibt Unvollkommenheit
und das ist vollkommen.“
   T’sao-Shan

„Das Leben ist eine Tatsache und Erklärungen sind
hier weder notwendig noch angebracht.
   D.T. Suzuki

„In manchen Handlungsweisen, die früheren Generationen als
falsch erschienen sehen wir heute nichts Schlechtes mehr.
Es kann Jahrhunderte dauern, bis klar wird, wie man sich zu verhalten hat.
Sofortige Zustimmung zu verlangen ist unvernünftig.
   Zengetsu

„Du brauchst nichts zu meiden oder zu leugnen.
Es genügt einfach darum zu wissen.
Wenn du dich etwas zu meiden bemühst,
hat es doch Einfluß auf Dich.“
   Ts‘ ao-Shan

„Nicht an Vergangenem hängen und sich nicht nach Künftigem sehnen,
das ist besser als eine Pilgerfahrt von zehn Jahren.“
   Lin-Ch

„Wenn du gehst, geh einfach nur.
Wenn du sitzt, sitz einfach nur.
Aber schwanke nicht.“
    Yün-Men

„Das Leiden will ertragen und nicht gefürchtet sein.
Wir führen es selbst herbei, und es wird weichen,
wenn wir die Ursache bereinigen – vorher nicht.“
   C. Humphreys

„Mich nachzuahmen, das bringt Dich nirgendwo hin.
Mein Geist ist ein anderer als deiner.
Wenn deiner wie meiner ist, wirst du immer hier bleiben.“
   Han-Shan

„Wie die höchsten und tiefsten Töne gleichermaßen
unhörbar sind, so sind vielleicht der größte Sinn und
der größte Unsinn gleichermaßen unverständlich.“
   Alan Watts

„Wie also erkennen wir: Durch die Intuition.
Diese Intuition ist direkt und unmittelbar.
Durch sie erkennen wir augenblicklich- wie eine Hand,
die etwas sehr Heißes berührt, den Schmerz erkennt.“
   C. Humphreys

„Zen ist das Leben, dem Zen nachzujagen,
das ist, als jage man den eigenen Schatten
und laufe dabei immer von der Sonne weg.“
   Alan Watts

„Ein Taoist ist jemand, der nicht andauernd danach sucht,
was er nicht besitzt, sondern genießt, was ihm bereits gegeben ist.“
   R. Smylligan

„Wir gründen unser Leben auf Vernunft und gesunden
Menschenverstand. Die Wahrheit kümmert sich um beides nicht.“
   C. Humphreys

„Auch ein langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“    Laotse